Ein Tag in Ayamonte

Eingang zum Tierheim
"Pitty"
"Liberto"


"Liberto", wieder gesund

Wir sind bei dem deutschen Auswandererpaar Ingrid und Manfred im Gästezimmer untergebracht. Ihre Finca liegt ungefähr 10 Fussminuten vom Tierheim entfernt. Nach dem Frühstück gehen wir durch das Campo zum Tierheim.

Es ist zwar noch recht früh, aber die Sonne gewinnt bereits an Kraft. Auch heute werden wir ganz schön ins Schwitzen kommen. Slawi, ein Tierpfleger aus Ungarn hat bereits mit seiner Arbeit begonnen: Gehege reinigen, Futter verteilen, Hunde in Gruppen zum Auslauf bringen.

Entsprechend wach sind die ca. 160 Hunde. Ein Rudel aus 20 Hunden läuft frei durch die Anlage und begrüsst uns, als wir das Gelände betreten. Es ist erstaunlich, wie freundlich und zutraulich die meisten Hunde zu uns Fremden sind.

Slawi zeigt uns den ersten Neuzugang des Tages: eine schwarze Mischlingshündin mit schweren entzündeten Bissverletzungen am Hals. Ihre Ohren waren vermutlich mit einer Schere kupiert worden, damit sie wie ein Kampfhund aussieht. Außer den nun spitzen Ohren hat der verängstigte Hund nichts mit einem Kampfhund gemein. Eine genauere Untersuchung der Verletzungen ist nur mit einer Narkose möglich. Ihre Haut hängt in Fetzen, Blut und Eiter tropfen aus den Wunden.

Die Verletzungen sind schwer, aber behandelbar. Wir beschliessen "Pitty" eine Chance zu geben. Abgestorbenes Gewebe wird entfernt. Dank der gespendeten Medikamente aus Deutschland können wir dem Hund eine gute Behandlung mit Antibiotika und Schmerzmittel verordnen. 

Nachdem wir die OP-Patienten der Vortage nachuntersucht und behandelt haben starten wir unseren heutigen OP-Plan. Es stehen 6 Katzen, 4 Kater, 3 Hündinnen und 4 Rüden auf unserer Kastrationsliste. Katzen, Kater und Rüden können wir jeweils alleine operieren, Hündinnen kastrieren wir gemeinsam. Unser "Operationssaal" misst 2 x 2 Meter. Der OP-Tisch ist ein ausrangierter Gynäkologenstuhl. Es ist alles etwas improvisiert, aber da wir unser eigenes OP-Besteck und Narkosemittelsortiment aus Deutschland mitgebracht haben können wir als eingespieltes Team hier gut arbeiten.

Wir fangen mit den Hunden an, die Slawi uns nach und nach aus den Gruppen herausholt. Gegen Mittag machen wir eine Pause. Die Rüden und eine Hündin sind bereits fertig. Keine Komplikationen. Mittlerweile sind es 35°C im Schatten. Der Schweiss rinnt. Wir setzen uns in den Schatten neben unsere "Clinica". Sofort kommen 10-15 Hunde zum Schmusen. Sie sind so zutraulich. Manche von ihnen sind als Welpen über den Zaun geworfen worden, manche wurden misshandelt und geschlagen. Eine Galga hat unzählige Brand- und Schlagnarben. Sie ist etwas zurückhaltender als die anderen. Aber sie lässt sich gerne von uns streicheln nachdem sie vor ein paar Tagen gemerkt hat, dass wir ihr nicht wehtun.

Im Laufe des Vormittags sind einige ehrenamtliche Helfer ins Tierheim gekommen, um bei der Arbeit zu helfen. Unter ihnen ist eine spanische Hausfrau, die sich bei uns mit Händen und Füssen auf Spanisch bedankt, dass wir extra aus Deutschland gekommen sind, um den Tieren in ihrem Land zu helfen. Die spanischen Tierärzte in Ayamonte und Umgebung unterstützen das Tierheim nicht. Müssen Tiere von ihnen behandelt werden, berechnen die Kollegen stets die vollen Behandlungskosten, die z.T. höher als in Deutschland zu sein scheinen.

Nach mehreren Litern Sprudelwasser setzen wir unsere Arbeit fort. Jetzt sind die Katzen dran. Da es sich um wilde Katzen handelt, die den Kontakt zum Menschen am liebsten meiden oder durch Einsatz von Zähnen und Krallen verhindern, müssen wir ein paar Tricks anwenden, um sie zu bekommen. 

Gegen 15Uhr30 legen wir den letzten Patienten des Tages in Narkose: eine Cocker Spaniel-Hündin. Neuerdings landen eher untypische Hunderassen im Tierheim: neben 2 Cocker Spaniels findet man auch einen Husky und ein Rottweilermädchen namens "Brenda".
Die Hündin hat eine veränderte Gebärmutter, so dass die Operation etwas aufwändiger ist. Ohne unseren Eingriff hätte "Luisa" an den Folgen einer Gebärmuttervereiterung sterben können.

Als wir den OP für den nächsten Tag vorbereiten und desinfizieren kommt ein weiterer Neuzugang. Ein Schäferhund war vom Gesundheitsamt beschlagnahmt worden. Er war 7 Jahre lang an einer 1 Meter langen Kette gehalten worden. Nun hat das vernachlässigte Tier eine schwere Milbeninfektion entwickelt. Die Haut ist fast haarlos und schuppig bis ledrig. Das Gesundheitsamt hat den Hund beschlagnahmt, da es eine Ansteckung für Menschen befürchtete. Unüblicherweise wurde der Hund nicht getötet bzw an eine sogenannte Tötungsstation übergeben sondern zu uns ins Tierheim gebracht.

Wir behandeln den ausgemergelten Hund gegen Parasiten und mit einer Infusion und bringen ihn in der Quarantänestation unter. Vielleicht ist der Hund nicht zu retten.

Nach diesem Tag im Tierheim machen wir uns nun auf den Weg zu unseren Gastgebern, die uns mit Essen und Trinken versorgen und glücklicherweise einen Pool haben, in dem wir uns abkühlen können.

Wir sind müde. Morgen geht es weiter.

 

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"Pitty", die "Kampfhündin" mit den Bissverletzungen hat alles gut überstanden. Die Wunden sind abgeheilt. "Pitty" wurde von Slawi adoptiert und nach seiner Zeit in Ayamonte mit nach Hause genommen.
"Liberto", der Kettenhund mit dem schweren Milbenbefall ist vollständig genesen, seine Haare sind nachgewachsen und er geniesst nun sein Leben auf der Finca der Tierheimleiterin Meica.
"Brenda", die Rottweilerhündin wurde an zwei Holländer vermittelt, wo sie es sehr gut hat.

Sie können natürlich gerne eine Spende überweisen an:

Asociación Protectora de Animales y Plantas de Ayamonte

BIC: CAIXESBB

IBAN: ES 532 100 2245 980 2001

 

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